Kettenlehre, Ritzel und das neue Kettenblatt
7. September 2024 · 4 Min. Lesezeit
Dass eine Kette sich längt, wusste ich. Dass sie dabei die Zähne der Ritzel mit abschleift, war mir nur theoretisch klar. Praktisch wurde es im August: Die neue Kette, die ich aufs Rennrad gezogen hatte, sprang unter Last auf dem dritten und vierten Ritzel über, mit einem Ruck durchs Pedal, der auf einer Steigung ziemlich unangenehm ist. Die alte Kette hatte ich etwa 4.000 Kilometer gefahren, ohne je zu messen. Die Kettenlehre fiel bei 1 Prozent komplett durch; bei 0,75 Prozent hätte sie längst getauscht werden müssen.
Die Zähne der meistgenutzten Ritzel waren zu kleinen Haifischflossen ausgeschliffen, was man mit bloßem Auge sieht, wenn man weiß, worauf man achtet: Die Flanke der Zähne ist nicht mehr symmetrisch, sondern auf der Zugseite ausgehöhlt. Eine neue Kette mit der korrekten Teilung passt dann nicht mehr sauber in die zu weit gewordenen Zahnlücken und klettert unter Last hoch. Also neue Kassette. Und weil ich schon dabei war, habe ich das kleine Kettenblatt angesehen und dieselben Flossen gefunden. Das große war noch in Ordnung, weil ich es seltener fahre.
Der Tausch der Kassette war mit Abzieher und Kettenpeitsche in zehn Minuten erledigt, das Kettenblatt brauchte einen Innensechskant 5 mm und eine Stunde, weil die Kettenblattschrauben hinten mit einer Schlitzmutter gehalten werden, die sich mitdreht, wenn man sie nicht mit einem passenden Halter fixiert. Ich habe es schließlich mit einem breiten Schraubendreher geschafft. Drehmoment beim Anziehen: 8 Nm, mit etwas Fett auf dem Gewinde, kreuzweise, in zwei Runden.
Seitdem messe ich. Alle 500 Kilometer, grob nach dem Tageskilometerzähler, kommt die Kettenlehre an die Kette, an drei Stellen, weil Ketten nicht gleichmäßig längen. Bei 0,5 Prozent tausche ich bei der 11-fach-Kette, die empfindlicher ist, bei 0,75 Prozent bei der 8-fach-Kette des Alltagsrads. Eine Kette kostet einen Bruchteil einer Kassette und wiederum einen Bruchteil eines Kettenblatts, und drei Ketten im Wechsel auf einer Kassette zu fahren hat sich für mich als bequemste Lösung erwiesen: Ich wechsle alle 1.000 Kilometer durch, alle drei längen gleichmäßig, die Kassette läuft seit dem Tausch 6.000 Kilometer und zeigt noch keine Flossen.