Winterroutine: Salz, Kette und ein Lappen am Haken
22. November 2025 · 3 Min. Lesezeit
Im ersten Winter mit dem Alltagsrad habe ich die Kette behandelt wie im Sommer: alle zwei Wochen ein paar Tropfen Öl, fertig. Anfang Februar hing sie orange und steif in den Ritzeln, einzelne Glieder knickten nicht mehr zurück, und die Kettenlehre fiel beim 0,75-Prozent-Zahn glatt durch. Gekauft hatte ich sie Mitte Dezember. Sieben Wochen, keine 500 Kilometer. Das Streusalz, das in unserer Stadt großzügig verteilt wird, zieht mit dem Schmelzwasser in jedes Gelenk und frisst sich dort fest.
Seitdem hängt ein alter Baumwolllappen an einem Haken neben der Wohnungstür, und die Routine nach jeder nassen Fahrt ist immer gleich. Rad in den Flur, Hinterrad anheben, Kurbel rückwärts drehen und die Kette durch den Lappen laufen lassen, bis sie oberflächlich trocken ist, etwa zwanzig Umdrehungen. Dann die Ritzel mit einer Ecke des Lappens abwischen, soweit es ohne Ausbau geht. Anschließend ein Tropfen Öl pro Glied, Kurbel noch zweimal drehen, zwei Minuten warten, überschüssiges Öl wieder abwischen. Zu viel Öl bindet nur den Straßendreck.
Fürs Öl habe ich zwei Flaschen: eine dünne Sorte für trockene Tage und eine zähflüssige für Nässe. Im Winter kommt nur die zähe zum Einsatz, auch wenn die Kette dann nach einer Woche grau ist. Grau und geschmiert ist mir lieber als sauber und rostig. Alle drei Wochen nehme ich die Kette ab, lege sie für eine Stunde in ein Marmeladenglas mit Entfetter, spüle sie heiß aus und trockne sie im Backofen bei 50 Grad auf einem Stück Backpapier. Das riecht nicht gut, geht aber schnell und gründlich.
Das Ergebnis des letzten Winters: Die Kette vom November hielt bis Mitte März und misst jetzt knapp unter 0,5 Prozent Längung. Die Ritzel sind noch die alten. Ein Satz Bremsbeläge ging trotzdem drauf, denn das Salz greift auch die Beläge an, aber damit kann ich leben. Was ich zusätzlich tue: alle vierzehn Tage den Schnellspanner und die Sattelklemme lösen, abwischen und mit etwas Fett wieder festziehen, damit nichts festgammelt. Im ersten Winter brauchte ich für die Sattelstütze im März einen Hammer.